200 Stunden im Jahr, das ist mehr als ein ganzer Arbeitsmonat. So viel Zeit ist bei uns jedes Jahr in einer einzigen, unsichtbaren Aufgabe versickert: eingehende Vorgänge von Hand lesen, sortieren, abtippen und an die richtige Stelle weiterleiten. In diesem Beitrag zeigen wir, wie wir diese Zeit zurückgewonnen haben, und warum dahinter kein Zaubertrick steckt.
Das Problem: fünf Kanäle, ein Engpass
Vorgänge erreichen uns nicht über einen Weg, sondern über fünf: E-Mail, Anrufbeantworter, Scan, PDF und Brief. Jeder Kanal sieht anders aus, und jeder landete am Ende auf demselben Schreibtisch. Dort begann immer die gleiche Handarbeit: lesen, einordnen, die relevanten Daten heraussuchen, abtippen, weiterleiten. Das kostet Zeit, ist fehleranfällig und wird nicht weniger, wenn mehr Post kommt.
Die Idee: nicht das Dokument zählt, sondern was passiert ist
Aus dem Wunsch, das zu ändern, ist unser BEI (Business Event Intelligence) entstanden. Der entscheidende Gedanke dahinter ist einfach: Für ein Unternehmen ist nicht das Blatt Papier wichtig, sondern das Ereignis, das dahintersteckt. Ein und derselbe Schadenfall kann als Brief ankommen, später als E-Mail nachgereicht und zwischendurch am Telefon ergänzt werden. Für BEI sind das nicht drei Dokumente, sondern drei Nachrichten zu einem einzigen Vorgang. Genau so denkt auch ein Mensch, der den Fall bearbeitet, und genau das war für Maschinen bisher das Schwierige.
So wird aus Post ein Vorgang, Schritt für Schritt
Damit das verlässlich klappt, durchläuft jede eingehende Nachricht dieselben vier Schritte, automatisch und in Sekunden:
1. Lesen und Verstehen. BEI liest die Nachricht, egal aus welchem Kanal, und holt die wesentlichen Angaben heraus, zum Beispiel um welche Art von Vorgang es geht, welche Vertrags- oder Kundennummer genannt wird und welche Beträge oder Fristen darin stehen. Aus Fließtext wird so eine saubere Liste von Eckdaten.
2. Den Beteiligten erkennen. Anschließend prüft BEI, wer oder was hier gemeint ist, anhand eindeutiger Merkmale wie einer Vertragsnummer. So weiß das System, dass "Kunde Müller, Police 4711" aus dem Brief und derselbe Müller aus der späteren Mail dieselbe Person sind, und legt ihn nicht zweimal an.
3. Dem richtigen Vorgang zuordnen. Jetzt entscheidet BEI: Gehört diese Nachricht zu einem laufenden Vorgang oder beginnt sie einen neuen? Findet sich ein klarer Treffer, wird angehängt; gibt es keinen, entsteht ein neuer Vorgang. Wichtig dabei: Trifft dieselbe Nachricht versehentlich zweimal ein, erkennt BEI das und legt keinen doppelten Vorgang an. Genau dieses doppelte und fehlerhafte Zuordnen war vorher die häufigste Fehlerquelle von Hand.
4. Den Stand fortschreiben. Jeder Vorgang hat einen Status, etwa "neu", "in Prüfung" oder "in Regulierung". Kommt eine neue Nachricht dazu, rückt der Vorgang nur in einen Status, der an dieser Stelle erlaubt ist. So kann nichts Unsinniges passieren, etwa dass ein Fall geschlossen wird, der nie geprüft wurde.
Wichtig: BEI ist bewusst keine Black Box, die alles auf einmal verspricht. Für jeden Kanal bauen wir einen eigenen Anschluss (Connector), einmal und passgenau. Diese Feinarbeit machen wir absichtlich selbst, denn genau sie macht das Ergebnis verlässlich. Ist ein Anschluss einmal gebaut, steht er allen Nutzern zur Verfügung, und die Verarbeitung dieses Kanals läuft ab dann automatisch.
Nachvollziehbar von Anfang an
Bei Automatisierung ist die wichtigste Frage nicht "Geht es schnell?", sondern "Kann ich nachvollziehen, was passiert ist?". Deshalb hält BEI jeden einzelnen Schritt fest: Welche Nachricht kam herein, wie wurde sie verstanden, an welchen Vorgang wurde sie gehängt, wer hat später etwas geändert. Diese Spur ist lückenlos und lässt sich nachträglich nicht unbemerkt verändern. Man kann jederzeit zurückverfolgen, wie ein Vorgang zu seinem heutigen Stand gekommen ist, und einen Schritt bei Bedarf auch wieder zurücknehmen.
Und der Mensch verschwindet nicht aus dem Prozess. Im Gegenteil: Ist sich BEI unsicher, entscheidet eine Person, nicht die Maschine. Das schafft Vertrauen genau dort, wo Automatisierung sonst riskant wird.
BEI lernt aus jeder Korrektur, aber erst nach Freigabe
Korrigiert ein Sachbearbeiter einmal einen Wert, etwa weil BEI den falschen Betrag aus einem ungewöhnlich formatierten Schreiben gezogen hat, geht diese Korrektur nicht verloren. BEI leitet daraus einen Verbesserungsvorschlag ab, in einfacher Sprache, zum Beispiel: "Nimm den Betrag, der direkt vor der Währungsangabe steht." Dieser Vorschlag wirkt aber erst, wenn ein Mensch ihn freigibt. So wird BEI mit der Zeit besser, ohne dass jemals unkontrolliert etwas "dazugelernt" wird, das niemand geprüft hat.
Was das im Alltag bringt
- Vorgänge werden schneller bearbeitet, weil das manuelle Sortieren und Abtippen entfällt
- Weniger Übertragungsfehler, weil Daten direkt strukturiert übernommen werden
- Jeder Schritt bleibt nachvollziehbar
- Bei Unsicherheit entscheidet ein Mensch, nicht die Maschine
BEI ersetzt nichts, es dockt an
BEI ist kein neues System, das alte ablöst, sondern eine Schicht, die an Bestehendes andockt. Sobald ein Vorgang weiterläuft, gibt BEI die fertig aufbereiteten Daten automatisch an die nachgelagerten Systeme weiter. Bei uns ist es nahtlos in ClaimWing, V.L.E.X.A 400 und V.L.E.X.A Inbound integriert und beschleunigt, was schon da ist, ohne selbst zum Datensilo zu werden. Der Betrieb läuft in einem Container und damit wahlweise im eigenen Haus oder in der Cloud, jederzeit DSGVO-konform.
Wohin die Reise geht
Als nächstes wollen wir unsere Software Factory an BEI andocken. Die Idee: Kunden erstellen anhand ihrer eigenen Geschäftsdaten ein Konzept für passgenaue Software. Der IT-Verantwortliche prüft dieses Konzept, nimmt nur noch kleinere Anpassungen vor, testet, und gibt die fertige App für seine Anwender frei.
Mitmachen
Wir rollen BEI gerade schrittweise aus und suchen noch Pilotkunden. Wenn Sie sehen wollen, wie das im Alltag aussieht, und Teil der Entwicklung werden möchten, melden Sie sich gerne für eine unverbindliche Demo.
Mehr über BEI erfahren →